Aktuelles

19.04.2021

SpiFa-Fachärztetag – Webtalk Junge Ärzte – In kleinen Schritten zur E-Akte

Junge Ärzte fordern seit langem mehr Vernetzung im Gesundheitswesen. Die elektronische Patientenakte (ePA) könnte da einen entscheidenden Beitrag leisten. Doch decken sich die Vorstellungen der jungen Mediziner mit der Aktenrealität, die ab Juli kommt?

Berlin. Ab Juli soll die elektronische Patientenakte (ePA) raus aus dem Feldtest und rein in die flächendeckende Versorgung. Vor allem die junge Ärztegeneration setzt große Hoffnungen in die Akte, dabei geht es um Zeitersparnis bei bürokratischen Aufgaben, einen schnelleren Informationsfluss und einen sparsameren Umgang mit Ressourcen.

„Manche Kommunikationswege werden noch schrecklich analog beschritten“, berichtete Mira Faßbach, Sprecherin des Bündnis Junge Ärzte (BJÄ), beim Webtalk Junge Ärzte im Rahmen des SpiFa-Fachärztetages am Donnerstagabend. Faßbach ist Weiterbildungsassistentin in einer Klinik. Klinikintern funktioniere die elektronische Kommunikation bereits gut. Aktuelle Laborwerte, Befunde aus dem Haus oder die Wunddokumentation aus der Pflege seien für Mitbehandelnde schnell einsehbar.

Der Austausch mit den Praxen hingegen laufe meist nur über den ausgedruckten Arztbrief. Und vor allem die Pandemie zeige, wie wichtig eine sektorübergreifende elektronische Kommunikation sei. Die COVID-Meldung ans Gesundheitsamt laufe per Fax, so Faßbach. Die meisten Kliniken hätten zudem noch ein Papier-Backup.

Mehr Zeit für sprechende Medizin

Die Folge laut Faßbach: Doppeluntersuchungen, mehrfaches Erfassen von Daten, die beim Patienten längst an anderer Stelle – etwa in der Hausarztpraxis – erhoben wurden und zum Teil auch Informationsverluste, gerade wenn Patienten in die Klinik kommen. Faßbach: „Wenn es einem Patienten gerade schlecht geht, ist die Anamnese, die ich erhebe, eben mitunter nicht so aussagefähig, wie vielleicht jene, die zwei Wochen vorher erhoben wurde, als zusätzlich noch ein Angehöriger beim Gespräch dabei war.“

Laborwerte würden zudem in der Klinik, auch wenn es nicht unbedingt notwendig sei, erneut erhoben, weil es für die Ärzte oder Klinikassistenten aufwendiger sei, diese per Telefon erst beim Hausarzt anzufordern. „Das ist Verschwendung von Versichertengeldern“, stellte sie klar.

„Wir wollen unsere Patienten einfach besser versorgen und wieder Zeit haben, mit ihnen zu sprechen“, pflichtete ihr ihr Kollege im BJÄ-Sprecherteam, Max Tischler, bei. Dazu sei es aber wichtig, dass die Informationen in einer ePA tatsächlich strukturiert vorliegen. „Damit es wirklich eine Zeitersparnis wird“, so Tischler.

Die Vorgaben für die ePA sehen nach Angaben von Dr. Bernhard Tenckhoff von der KBV genau dies vor: die Gesundheitsdaten sollen strukturiert und wiederverwendbar sein. „Damit man als Arzt oder Pflegekraft eben nicht das Gefühl hat, man trägt wiederholt dieselben Daten ein.“

Strukturierte Daten? – Erst 2021

Dennoch werden die gewünschten strukturierten Daten wohl frühestens im Januar 2021 verfügbar sein. Die sogenannten Medizinischen Informationsobjekte (MIO) wie z.B. der elektronische Impf- und Mutterpass, benötigten schon die nächsten Generation der ePA, erläuterte er. Was Tenckhoff gerade angesichts der Pandemie schade findet. Denn gerade jetzt, wo „wir einen Großteil unserer Bevölkerung impfen, wäre das der ideale Zeitpunkt, um mal so einen elektronischen Impfeintrag zu erzeugen“

Barmer-Chef Professor Christoph Straub geht sogar davon aus, dass es beim Termin 1. Juli für den Start der ePA nicht bleiben wird, sondern dass es eine längere Anlaufphase geben wird. Dies ist ohnehin erst einmal nur der Termin bis zu dem alle Praxen mit der notwendigen Hard- und Software ausgestattet sein sollen.

Die Barmer bewirbt laut Straub die ePA, auf die Patienten seit Jahresanfang einen gesetzlichen Anspruch haben, derzeit nicht aktiv bei den Versicherten. „Weil die Akte noch nichts kann“, sagte Straub. Eine Bewerbung, ohne dass ein erkennbarer Nutzen für die Versicherten da sei, plus dem immer wieder aufpoppendem „Warn-Disclaimer“ zum Datenschutz, wenn man seine Akte öffne, wirke eher abstoßend auf den Normalbürger.

Es sei wichtig, dass der Datenschutz bedacht werde, aber in Deutschland stehe er immer über allem. „Ich wünsche mir, dass auf meinem Grabstein nicht steht, hier ruht Herr Straub, seine Daten waren immer sicher“, überzog er bewusst. „Wir wissen, dass Patientinnen und Patienten, je schwerer krank sie sind, ein umso höheres Interesse haben, dass ihre Daten zugänglich sind.“

Sind andere Länder wirklich weiter?

Sowohl Straub als auch Tenckhoff räumten aber auch mit dem immer wieder auftauchenden Vorurteil auf, dass Deutschland anderen Ländern so weit hinterherhinke. „Es gibt auch einige Potemkinsche Dörfer, die heißen ePA“, so Tenckhoff. Die Frage sei immer, funktioniere die elektronische Kommunikation wirklich und stifte die Akte einen Nutzen. „Da gibt es noch nicht so viele.“

In den USA seien es zudem alles Insellösungen, berichtete Straub. Dort böten Kliniken oder Versicherungen getrennt voneinander Aktenlösungen an. In Deutschland habe man sich aber für ein anderes System entschieden. Bis 73 Millionen GKV-Versicherte eine gut gefüllte ePA hätten, dauere es eben. Und auch in Dänemark habe es circa zehn Jahre gebraucht, bis die Nutzerzahlen bei der dänischen ePA wirklich zugelegt hätten.

Zusätzliche Aufklärung kein Problem

Dass die Ärzte nicht nur beim Befüllen, sondern auch in Sachen Aufklärung über die Nutzung der ePA eine zentrale Rolle spielen werden, stört die jungen Ärzte nicht. „Das kostet halt Zeit, aber da sind wir als Ärzte auch gefordert“, sagte Tischler. Allerdings müsse sich die Politik, die die ePA ja will, dann auch überlegen, wie diese Arbeit vergütet werde.

Laut Tischler muss das Geld dafür nicht von den Kassen kommen. Das sieht Tenckhoff ähnlich. Hier werde eine Infrastruktur für die Daseinsfürsorge geschaffen, da sei es die Frage, ob nicht zumindest deren Aufbau steuerlich beanreizt werden sollte.

Tenckhoff wird demnächst auch die Möglichkeit haben, die Akte und damit auch die Vorgaben für die MIOs, die die KBV erarbeitet hat, selbst in der Praxis zu testen. Denn er will als Arzt in die Versorgung gehen. „Dann werde ich die Suppe auslöffeln müssen, die ich mir auf der Selbstverwaltungsseite eingebrockt habe“, scherzte er.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/Politik/In-kleinen-Schritten-zur-E-Akte-418866.html

 

16.04.2021

Digitalisierung – „Wir brauchen Anreize statt Geldstrafen“

Regelmäßige Ausfälle der Telematikinfrastruktur, Sanktionen für TI-Verweigerer, 1,63 Euro für die Befüllung der elektronischen Patientenakte – die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt in vielen Praxen für Frust. Im Bundesgesundheitsministerium kann man das nur bedingt nachvollziehen.

Medi-Chef Baumgärtner: „Wenn Sie Digitalisierung wirklich wollen, müssen Sie uns den Aufwand auch bezahlen.“

„Wir reden viel zu viel über Technik“, beklagte Christian Klose, Unterabteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium am Freitag während einer Diskussionsrunde beim Spifa-Fachärztetag. Diese sei immer nur Mittel zum Zweck. Es gehe am Ende immer um den Mehrwert, den die Digitalisierung biete.

Entscheidend sei es, mit den Ärzten in den Praxen und Kliniken zu sprechen, um die Ziele der Digitalisierung zu erklären. „Wenn wir die Chancen der Digitalisierung nicht nutzen“, werde es nicht möglich sein, die Qualität des Gesundheitssystems aufrechtzuerhalten.

Den von Ärzten oft geäußerten Vorwurf, die Digitalisierung schaffe keinen Mehrwert, könne er nicht nachvollziehen: „Ich kenne keine Branchen, in der Digitalisierung nicht mehr Effizienz bringt.“

Das Ministrerium schaffe nur den Rahmen. Die Anwendungen seien Sache der Selbstverwaltung. Die Telematikinfrastruktur etwa sei ein „sicheres Gesundheits-Internet“.

Es gehe nicht mehr darum, ob die Digitalisierung komme, sondern nur noch darum, wie sie komme. Um die Mehrwerte der einzelnen Anwendungen zu identifizieren, brauche es die Ärzte. „Wer kennt denn die Probleme im Praxisalltag besser als Sie? Wir brauchen Ihr Knowhow“, appelliert er.

Auch die Krankenkassen seien in der Pflicht. Sie müssten bei ihren Versicherten für digitale Gesundheitskompetenz sorgen und über digitale Innovationen informieren. Daneben gebe es die Patientenberatung und viele Selbsthilfegruppen. Es bleibe also nicht alles an den Ärzten hängen, betont Klose. „Es wird auf vielen Schultern getragen. Wenn es uns gelingt, die Mehrwerte herauszustellen, dann werde man erfolgreich sein.“

„Wir brauchen die Digitalisierung“, bekräftigt Dr. Werner Baumgärtner, Medi-Vorstandschef und Vorsitzender des Ausschusses Digitalisierung im Spifa. Aber sie müsse auch einen Nutzen für die Praxen bringe. Die elektronische Patientenakte etwa nütze den Praxen aktuell gar nichts. Er halte sie technisch nach wie vor für unausgegoren. Sie nutze weder den Patienten noch den Ärzten, kritisierte Baumgärtner. Zudem könne es nicht die Aufgabe der Ärzte sein, den Patienten die ePA zu erklären. „Wenn Sie es wirklich wollen, müssen Sie es auch bezahlen“, appelliert Baumgärtner an BMG-Mann Klose.

Die Digitalisierung werde weitere Bürokratie in die Praxen bringen, prophezeit Baumgärtner. Auch die Drohung mit Sanktionen halte er für kontraproduktiv. „Wir brauchen Anreize statt Geldstrafen.“ Ihn störe die Zwangseinführung, dies sei schon bei der Telematikinfrastruktur der Fall gewesen. Das BMG versuche, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

BMG-Abteilungsleiter Klose stören die vielen Mythen über die ePA. Die Akte sei mitnichten eine digitale Aldi-Tüte.

Mit dem Wissen von heute, würde er „keinen Zwang mehr wählen“; entgegnete BMG-Abteilungsleiter Klose. Statt die TI mit Hilfe von Sanktionen durchzudrücken, würde er die Abrechnung über die TI laufen lassen – also eine Art Zwangseinführung durch die Hintertür wählen.

Das Problem an der Digitalisierung sei der Weg, bis alles perfekt laufe, so Baumgärtner. Dieser Weg sei für die Ärzte in den Praxen steinig, da sie stark gefordert seien. Und für diesen Aufwand müssten die Ärzte bezahlt werden – und zwar angemessen. Für die Befüllung der ePA etwa gebe es gerade einmal 1,63 Euro. „Da sieht man, wie man mit uns umgeht“, schimpft Baumgärtner.

Die 1,63 Euro seien doch von der Selbstverwaltung verhandelt worden, verteidigt sich Klose. Im Gesetz seien dafür zehn Euro vorgesehen gewesen. Dafür habe man viel Kritik einstecken müssen, weil man sich in die Belange der Selbstverwaltung einmischen würde. Für die einmalige Einstellung des Notfalldatensatzes in die ePA gebe es im Übrigen 27 Euro für jeden Arzt, so Klose.

Ihn störten die vielen Mythen über die ePA, kritisiert Klose. Die Akte sei mitnichten eine digitale Aldi-Tüte, wie es der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gern kommuniziere. Sie biete im Gegenteil sehr wohl die Möglichkeit, Dokumemte zu filtern. Und das werde sich auch weiterentwickeln. Dass anfangs keine strukturierten Daten enthalten seien, sei ja nicht verwunderlich. Aber das werde sich schnell ändern – an angefangen mit Mutterpass und Vorsorgeheft, auch der geplante Entlassbrief sei ein weiteres Beispiel. „Da steckt viel Potenzial drin, das den Alltag erleichtern wird“, glaubt Klose.

HNO-Ärztin Held: „Ich freue mich auf die ePA.“

Sie freue sich auf die ePA, sagt Dr. Regine Held, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Ihre MFA scannten schon heute alle Befunde der Patienten ein. Und wenn diese dann elektronisch in die ePA übertragen werde, sei das ein großer Mehrwert für ihren Praxisalltag.

„Nicht alle aber wissen, was da auf sie zukommt.“ Die wenigsten ihrer Kolleginnen und Kollegen seien IT-Experten. Hier sei noch viel Informationen nötig.

Auch die Patienten seien „weitgehend ahnungslos“ bei diesen Themen. Noch habe sie kein Patient nach der ePA gefragt  Da werde es am Ende am Praxispersonal hängen bleiben, aufzuklären. „Wir müssen auch das Praxispersonal und die Patenten mitnehmen“, appelliert Held.

Sie wünsche sich Anwendungen, die sich im Praxisalltag einfach anwenden lassen. „Am besten mit nur einem Knopfdruck.“

Quelle: https://www.aend.de/article/211683

 

16.04.2021

SpiFa-Fachärztetag „Wir wollen Freiberuflichkeit“

Wahlkampf beim SpiFa-Fachärztetag: Abgeordnete von vier Bundestagsfraktionen haben an diesem Freitag die Gelegenheit genutzt, ihre gesundheitspolitischen Schwerpunkte kundzutun. Einig waren sie sich eigentlich nur darin, dass sich vieles ändern müsse.

Vier Bundestagsabgeordnete sprachen beim SpiFa-Fachärztetag über ihre Wahlprogramme.

Wie CDU-Politiker Alexander Krauß sagte, hat das Gesundheitswesen „anspruchsvolle Jahre“ hinter sich: „Jens Spahn hat wirklich richtig Tempo gemacht.“ Dabei sei das Land gut vorangekommen.

Grundsätzlich bekenne sich die CDU mit ihrem Programm zur Freiberuflichkeit: „Bei uns werden Sie im Wahlprogramm nicht nur etwas darüber lesen, wie das Gesundheitssystem allgemein aufgestellt werden soll – und Sie werden zum Glück nichts lesen, was mit Transgendermedizin zusammenhängt – aber Sie werden lesen, dass wir eine ordentliche Versorgung in der Fläche wollen, mit niedergelassenen Ärzten. Wir wollen Freiberuflichkeit.“

Wichtig sei der Fraktion zudem Wettbewerb der Krankenkassen, eine „Einheitsbreiversicherung“ solle es nicht geben. Zudem sollten Prävention und Digitalisierung weiterentwickelt werden. Auch der intersektorale Bereich müsse weiter ausgebaut werden, kündigte Krauß an. In der Vergangenheit hätten die Sektoren „gut bewachte Schützengräben“ erbaut, an denen beide Sektoren darauf achten würden, dass kein Quadratzentimeter abgegeben werden müsse. Das werde sich ändern, indem man sich an einen Tisch setzt und ein Gesamtkonzept auf den Weg bringt. „Das wird eine Mammutaufgabe, aber wir werden vorankommen.“

Spahn will GOÄ nicht grundsätzlich aufhalten

SpiFa-Chef und Moderator Dr. Dirk Heinrich hakte beim Thema Freiberuflichkeit ein. Denn: „Zum freien Beruf des Arztes gehört eine aktuelle Gebührenordnung.“ Wie berichtet, will die Bundesärztekammer in der kommenden Woche den Vorschlag für die GOÄ neu vorlegen, Heinrich hatte auf eine schnelle Umsetzung gepocht. Dieser hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jedoch eine Absage erteilt.

Krauß sagte, er habe es nicht so verstanden, als ob Spahn die GOÄ neu grundsätzlich aufhalten wolle. Aber der Zeitplan sei durch Pandemie und Wahljahr eng. Dennoch: „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Thema Gebührenordnung noch in diesem Jahr schaffen.“ Versprechungen machen wolle er jedoch nicht.

Schnelles Handeln für mehr intersektoriale Zusammenarbeit

Auch für die FDP steht der freie Beruf im Fokus, sagte Christine Aschenberg-Dugnus. Ihre Partei fordere, dass die Therapiefreiheit ohne Budgetierung den Patienten zugutekommt. Ärzte müssten zudem in Sachen Bürokratie entlastet werden, zum Beispiel durch Digitalisierung. Hinsichtlich der Krankenversicherung sagte Aschenberg-Dugnus: „Wir sind Anhänger des dualen Systems.“ Doch sowohl die das System der privaten als auch das System der gesetzlichen Krankenkasse sei reformbedürftig

Die FDP fordere ein „schnelles Handeln“ hinsichtlich der intersektorialen Zusammenarbeit. Die Grenzen müssten abgebaut werden, aber dennoch gelte „ambulant vor stationär“.

Reformierung des Vergütungssystems nötig

Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) sieht viel Reformpotenzial. „Die Baustellen sind beträchtlich im Gesundheitsssystem“: Die Krankenhauslandschaft müsse neu sortiert werden, der niedergelassene Bereich gestärkt werden. Grundsätzlich sei eine stärkere Verknüpfung der ambulanten und stationären Bereiche sowie des Öffentlichen Gesundheitsdienstes nötig. Damit müsse aber auch eine Reformierung des Vergütungssystems einhergehen. „Gleiche Leistung muss auch gleich vergütet werden.“

Die Grünen plädierten weiter für eine Bürgerversicherung. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, so die Ärztin. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Beamte keine Wahlfreiheit hätten, sich privat oder gesetzlich zu versichern. Außerdem müssten Privatversicherte zurück in die gesetzliche Versicherung kommen dürfen. Gerade für ältere Menschen werde die PKV häufig zum Problem, da Kosten „weggaloppieren“.

Die AfD wolle, dass die Budgetierung beendet wird, sagte Dr. Robby Schlund. Das sei eins der großen „Sorgenkinder“. Insbesondere im ländlichen Bereich bestünden „erhebliche Probleme“, das junge Leute nicht mehr den Mut hätten, sich dort als Facharzt niederzulassen. Konzepte für den ländlichen Raum müssten ohnehin weitergearbeitet werden, damit niedergelassene Ärzte gut dort arbeiten könnten. Im Krankenhausbereich solle das DRG-Fallsystem abgeschafft werden.

„Das kann man nie miteinander verknüpfen“

Die intersektoriale Zusammenarbeit solle verbessert werden. Die AfD fordere eine sektorenübergreifende Vergütung, sagte Robby Schlund. Es brauche eine Art Mischsystem die den einheitlichen Bewertungsmaßstab mit der GOÄ verknüpfe – eine Forderung, über die SpiFa-Chef Heinrich sagte: „Das kann man nie miteinander verknüpfen.“ Es handle sich schließlich einerseits um einen Leistungskatalog, andererseits um eine Gebührenordnung. Dafür seien strukturelle Änderungen nötig, die viele Jahre in Anspruch nehmen würde.

Heinrich ließ es sich nicht nehmen, Schlund auf seinen Auftritt bei einer Corona-Demo in Berlin anzusprechen: Er habe erwartet, Schlund werde die Gelegenheit nutzen, sich vor der versammelten Fachärzteschaft zu entschuldigen, „dafür dass Sie auf Demonstrationen Kolleginnen und Kollegen in Sträflingskleidung auf Plakaten durch die Gegend tragen und diese Kollegen beleidigen“. Stattdessen habe Schlund seier Meinung nach einen Wirrwarr von Gebührenordnungsdurcheinander präsentiert, was „sehr bedauerlich“ sei. Schlund sagte, er habe sich beim Virologen Prof. Christian Dorsten und beim SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach schriftlich entschuldigt.

Quelle: https://www.aend.de/article/211682

16.04.2021

SpiFa-Fachärztetag: Spahn mit klarem Bekenntnis zur Freiberuflichkeit

Berlin – Auch für eine künftige Regierung hat die CDU klare Vorstellungen bezüglich des Gesundheits­systems, dazu gehöre unter anderem auch das Bekenntnis zur ärztlichen Freiberuflichkeit. Das hat Bun­desgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heute im Rahmen des Fachärztetages des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa) betont. Zu einer Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) noch in dieser Legislatur äußerte er sich skeptisch.

Die freiberufliche Praxisstruktur habe sich nicht zuletzt während der Coronapandemie wieder als Er­folgs­­modell erwiesen, so Spahn. Auch nach dem „spannenden und politisch herausfordernden Wahljahr“ wolle man deshalb diese „Stärke des Systems“ erhalten. Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter verwies darauf, dass neun von zehn COVID-19-Erkrankten bislang bei Niedergelassenen behandelt worden seien. Er rich­tete diesbezüglich seinen Dank an alle Beteiligten.

15.04.2021

Schnell umgesetzte GOÄ: Spahn dämpft Erwartungen der Fachärzte

Gesundheitsminister Jens Spahn macht den Fachärzten wenig Hoffnung, dass der Entwurf der neuen GOÄ zügig bearbeitet wird. Auch zur Stärkung der Freiberuflichkeit, äußert sich der Minister nur vage.

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27.03.2021

Epidemische Lage – Bundesrat stimmt Verlängerung der Corona-Regelungen zu

Grünes Licht für das Corona-Gesetz: Der Bundesrat hat die Verlängerung der epidemischen Lage abgesegnet. Viele Corona-Maßnahmen gelten damit über den 31. März hinaus.

Blick in den Bundesrat: Die Abgeordneten der Länderkammer haben am Freitag dem Gesetz zur Fortgeltung der epidemischen Lage zugestimmt.

Berlin. Der Bundesrat hat am Freitag dem Gesetz zur Fortgeltung der epidemischen Lage zugestimmt. Damit können die zahlreichen befristeten Regelungen und Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit nun über den 31. März hinaus gelten. Das betrifft unter anderem die Coronavirus-Testverordnung, die -Einreiseverordnung und die -Impfverordnung. Weiterlesen

22.03.2021

Telemedizin – Digitale Unterstützung auf dem Weg zum Wunschkind

Frauenärzte und Reproduktionsmediziner gehen ab April mit einem telemedizinischen Konsil an den Start. Der Prozess ist erstmals komplett papierlos. Ist das Spermiogramm vielversprechend? Reproduktionsmediziner beraten Gynäkologen künftig digital bei der Behandlung ungewollt kinderloser Paare.

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18.03.2021

Interviews – „Der Bedarf an datenbasierten Informationen bei den Impfungen ist groß“

Die deutschen Fachärzte gehen voran und haben eine COVID-19 Impf-App gestartet. Die App stellt das Deutsche Institut für Fachärztliche Versorgungsforschung (DIFA) seit Februar allen Ärzt:innen und dem medizinischen Fachpersonal kostenfrei zur Erfassung der Schutzwirkung und aller Begleiterscheinungen der Impfung zur Verfügung.

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17.03.2021

Trauer um Dr. Heidrun Gitter

Berlin – Nach schwerer Krankheit ist Dr. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, am 15.03.2021 in Bremen verstorben.

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15.03.2021

Kraftakt für Arztpraxen: 20 Millionen Impfungen innerhalb weniger Wochen möglich

Berlin, 11. März 2021 – Der Virchowbund ruft zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller niedergelassenen Haus- und Fachärzte auf: „Das Vorhaben, bis zum Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot zu machen, kann nur gelingen, wenn alle, die impfen dürfen auch impfen werden. Daher müssen nicht nur die Hausärzte, sondern auch die hausärztlichen Internisten und vor allem die Fachärzte mit hohem Anteil an der Grundversorgung, wie beispielsweise Gynäkologen, HNO-Ärzte oder konservativ tätige Augenärzte, in die Impfstrategie einbezogen werden“, erklärt der Virchowbund-Bundesvorsitzende Dr. Dirk Heinrich.

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