12.06.2020

ALM e.V. entsetzt über Absenkung der Vergütung für CORONA-PCR: Kassen sind sich offensichtlich der Tragweite und Auswirkungen dieses Beschlusses nicht bewusst

Konsterniert und befremdet nehmen die Mitgliedslabore des Verbandes der Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Absenkung der Vergütung für die SARS-CoV-2-PCR auf 39,40 Euro zur Kenntnis.

„Wir sind entsetzt darüber, wie wenig die für diesen Beschluss Verantwortlichen die Versorgung der Patienten im Blick haben“, reagiert Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., verärgert und fügt hinzu: „Es ist bitter zu erleben, dass die Krankenkassen unmittelbar in der Phase der Beruhigung des dynamischen COVID-19-Pandemiegeschehens ausschließlich darauf schauen, an Ausgaben zu sparen. Die erklärte Strategie des BMG, durch eine erhebliche Ausweitung der Teststrategie die Pandemie weiter einzudämmen, wird so konterkariert.“
 
„Die willkürliche und sachfremde Absenkung um ein Drittel der erst im Februar gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung konsentierten Kostenerstattung für eine neue und komplexe Leistung, die für die Überwachung eines sehr dynamischen Infektionsgeschehens eine anerkanntermaßen zentrale Bedeutung hat, ist nicht nachvollziehbar und weder sachgerecht noch angemessen“, so Prof. Jan Kramer, Vorstandsmitglied im ALM e.V. „Uns erschließt sich nicht, welche Vorstellung die Vertreterinnen und Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen davon haben, wie diese für die Patientenversorgung und Eindämmung der Pandemie gleichermaßen wichtige Leistung mit den nun abgesenkten Gebühren in dem erforderlichen Umfang gesichert werden soll.

Konkret: Wie soll mit einem solchen Betrag eine flächendeckende und nahezu 24/7-Versorgung aufrechterhalten werden“, fragt Dr. Christian Scholz, der mit seinem Team wie über 130 andere medizinische Labore zur Sicherstellung der von Bundesregierung und Bevölkerung aktiv eingeforderten hohen Testkapazitäten hohe Investitionen geschultert und auf eine nachhaltig kostendeckende Finanzierung der Diagnostik vertraut hat. 
 
„Wir haben als Labore alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine gute Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger des Landes mit SARS-CoV-2-Diagnostik aufzubauen; durch unsere erheblichen Investitionen haben wir ein großes Risiko auf uns genommen und damit erheblich zum vergleichsweise moderaten Verlauf der Pandemie in Deutschland beigetragen – und jetzt werden wir mit solch einer Entscheidung abgestraft. Das entbehrt jeder Logik und Fairness“, sagt auch Evangelos Kotsopoulos, Vorstand im ALM e.V. „Es entsteht der Eindruck, dass die Kassen jetzt ihr wahres Gesicht zeigen und entgegen sonstiger Hochglanzbekundungen nur an Kostenfragen interessiert sind. Dass die Vorhaltung von hohen Testkapazitäten wesentlich zur Bewältigung der Pandemie beiträgt, scheint nicht mehr von Belang zu sein – aus unserer Sicht wird hier bewusst ein inakzeptables Versorgungsrisiko in Kauf genommen.“
 
„Ich hätte mir von den Kolleginnen und Kollegen der GKV mehr Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein gewünscht“, sagt Cornelia Wanke, Geschäftsführerin des ALM e.V. Dass mehr Tests am Ende weniger Kosten für das Gesundheitswesen bedeuten – wie es auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn konstatiert hat – das müsse doch auch den Kassenchefs längst aufgegangen sein, so Wanke. „Leider zeigt sich aber wieder einmal mehr, dass diese nur sehr kurzfristig denken und das Wohl der Patientinnen und Patienten eben nicht im Vordergrund steht.“
 
In der heutigen Dringlichkeitssitzung der Verbandsmitglieder wurde intensiv beraten, welche Schlüsse aus diesem Beschluss in seiner für die Versorgung der Bevölkerung mit der SARS-CoV-2-Diagnostik so wichtigen Bedeutung zu ziehen sind und welche Auswirkungen sich daraus ergeben könnten. Die Mitglieder erwarten, dass der Beschluss kurzfristig korrigiert wird und sich die Bewertung an den für die Sicherstellung der zeitnahen und flächendeckenden Testung im Sinne der gesundheitspolitischen Ziele der Bundesregierung notwendigen Kosten orientiert, und appellieren an die Ärzteseite im Bewertungsausschuss, alles dafür zu tun, um diesen Beschluss abzuwenden. 
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