20.11.2018

Ärzteschaft fordert Arztinformations­system auch für den stationären Bereich

Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) haben den Entwurf der Rechtsverordnung für ein Arztinformationssystem (AIS) grundsätzlich begrüßt, aber Änderungen und Ergänzungen gefordert.

Das AIS soll Ärzte bei der Verordnung unterstützen. Dazu soll es in einfacher und übersichtlicher Form über die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) zur frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln informieren. Die Mindestanforderungen an das System legt das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium in einer Rechtsverordnung fest, deren Entwurf seit Mitte Oktober vorliegt.

Unabhängig, verständlich und übersichtlich

„Die BÄK und die AkdÄ sehen es als unabdingbare Voraussetzung an, dass es sich bei den abzubildenden Informationen um unabhängige, verständliche und übersichtliche Informationen zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln handelt“, betonen die beiden Organisationen in ihrer Stellungnahme zu dem Entwurf der Rechtsverordnung zunächst.

Auch die KBV fordert in ihrer Stellungnahme, dass die Informationen nicht überfrachtet sein dürfen. „Für eine zielgerichtete und prägnante Information bedarf es einer praxisnahen Aufbereitung der Beschlüsse sowie einer Beschränkung auf tatsächlich notwendige und sinnvolle Inhalte“, heißt es in der KBV-Stellungnahme. Nur dann könnten Ärzte diese im Sinne einer evidenzbasierten Information zur Unterstützung von Therapieentscheidungen berücksichtigen.

System erweitern

KBV, BÄK und AKdÄ fordern außerdem eine Erweiterung des Systems. „Für die Sicherstellung der Information der gesamten Ärzteschaft über die Beschlüsse der Nutzenbewertung sollten aus Sicht der BÄK und der AkdÄ diese über den ambulanten Sektor hinaus allen am Behandlungsprozess Beteiligten in geeigneter Form zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise durch Integration der Beschlüsse der Nutzenbewertung in geeigneter Form in die Krankenhausinformationssysteme“, heißt es in der BÄK/AKdÄ-Stellungnahme.

Dies sei zum Beispiel im Hinblick auf das Entlassmanagement „wichtig und zwingend erforderlich“, da in diesem Rahmen Krankenhausärzte unter anderem Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel für einen Übergangszeitraum von bis zu sieben Tagen verordnen könnten, betonen BÄK und AkdÄ. „Eine entsprechende Regelung, im Krankenhaus ein Softwaresystem einzusetzen, welches ebenfalls die Informationen gemäß der vor­liegenden Rechtsverordnung abbildet, sollte in die Rechtsverordnung aufgenommen werden“, fordert auch die KBV.

Kosten im Blick haben

Die KBV betonte, dass die Einführung des AIS für den Vertragsarzt nicht mit Mehr­kosten verbunden sein dürfe. Deshalb seien ergänzende Finanzierungsregeln notwendig. Steigende Lizenzkosten für Praxisverwaltungssysteme – in welche das AIS eingebettet werden soll – befürchtet auch der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Der Verband schlägt eine Ergänzung in der Rechtsverordnung vor, wonach mögliche Erhöhungen der Lizenzkosten durch die Krankenkassen zu erstatten seien.

Die KBV äußerte darüber hinaus Sorge um die Therapiefreiheit der Ärzte. So könne das mit dem vorliegenden Verordnungsentwurf beschriebene AIS zwar „eine wertvolle Unterstützung bei der Therapieentscheidung sein“. Es dürfe allerdings nicht als Instrument zur Verordnungssteuerung durch eine Verschärfung der Regressbedrohung der Ärzte missbraucht werden, schreibt die KBV.

Im Rahmen der Stellungnahme fordert die KBV den Gesetzgeber außerdem erneut auf, klarzustellen, dass der vereinbarte Erstattungsbetrag die wirtschaftliche Verordnung eines neuen Arzneimittels im gesamten Anwendungsgebiet ermöglicht. Hintergrund ist die die Mischpreiskalkulation für Arzneimittel, denen der G-BA für bestimmte Patien­ten­gruppen einen Zusatznutzen zugesprochen hat, für andere Patientengruppen dagegen nicht. „Hier ist eine entsprechende gesetzliche Klarstellung gerade im Zuge der Einführung des elektronischen Arzneimittelinformationssystems unbedingt erforderlich“, mahnt die KBV in ihrer Stellungnahme.

Das AIS soll dazu beitragen, dass Ärzte häufiger als bisher Medikamente verordnen, denen der G-BA einen Zusatznutzen gegenüber der Standardtherapie bescheinigt hat. Der Verordnungsentwurf des Ministeriums über die Mindestanforderungen des Systems sieht vor, künftig neben Angaben über den Wirkstoff und das zugelassene Anwendungs­gebiet auch Informationen über die Patientengruppen zu übermitteln, für die Aussagen zum Zusatznutzen vorliegen. Außerdem müssen die bewerteten Arzneimittel einem Krankheitsgebiet nach ICD-10-GM zugeordnet werden. Das erleichtere die Verlinkung zu medizinischen Leitlinien, heißt es in der Begründung zum Verordnungstext.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online, 20. November 2018