23.08.2019

Aufhebung der Sektorengrenzen – SpiFa-Vorstand plädiert für einheitliche Vergütung

Die Große Koalition arbeitet an der Aufhebung der Sektorengrenzen. Erste Vorschläge einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe dazu zeigen, dass der Versorgungsauftrag für Krankenhäuser ausgeweitet werden soll. SpiFa-Vorstandsmitglied Dr. Axel Schroeder fürchtet eine Beschädigung des ambulanten Bereichs.

SpiFa-Vorstandsmitglied Schroeder: „Wer qualitativ versorgen kann, der soll auch – egal ob als Vertragsarzt oder als Krankenhaus.“

Die Bund-Länder-AG hatte in einem ersten Eckpunktepapier vorgeschlagen, die Kliniken für eine ambulante Versorgung zu öffnen sowie eine gemeinsame fachärztliche Versorgung und eine bessere Koordination zwischen Hausärzten und Pflegediensten zu organisieren. Ziel müsse es sein, den fachärztlichen Versorgungsbereich einheitlich sektorenübergreifend zu organisieren.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) begrüßt zwar das Vorhaben der Bundesregierung, übt aber auch Kritik. So ließen sich die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung nur dann überwinden, wenn in beiden Bereichen eine einheitliche Leistungsvergütung für ärztliche Leistungen erfolge, sagt SpiFa-Vorstandsmitglied Dr. Axel Schroeder. Ansonsten drohe der ambulante Bereich beschädigt zu werden. Ausgangslange für eine solche Vergütung müssten die Fallpauschalen sein. „Mit der angedachten institutionellen Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung wird der heutige Sicherstellungsauftrag sowie die Bedarfsplanung in der ambulanten Versorgung umfänglich in Frage gestellt“, kritisiert Schroeder einen Vorschlag der Bund-Länder-AG.

Die einseitige Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung sei „vom teuersten Ende des Versorgungsgeschehens gedacht“ und daher nicht zielführend. Man sollte vielmehr eine gleichberechtigte Teilnahme von Vertrags- und Klinikärzten ermöglichen – ähnlich wie in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Schroeder: „Wer qualitativ versorgen kann, der soll auch – egal ob als Vertragsarzt oder als Krankenhaus.“

Schroeder spricht sich für eine Abschaffung des Erlaubnisvorbehalts im ambulanten Bereich aus. Dieser müsse endlich dem Verbotsvorbehalt aus der Welt der stationären Versorgung weichen. Nach dem Erlaubnisvorbehalt dürfen Leistungen und neue Methoden nur dann erbracht werden, wenn sie vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) positiv bewertet und in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen wurden. Der Verbotsvorbehalt erlaubt Klinikärzten indes, neue Methoden solange zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung zu erbringen, wie sie nicht explizit vom G-BA ausgeschlossen wurden. „Das birgt gerade an den Schnittstellen ambulant/stationär Konfliktpotenzial und einen Anreiz innovative Versorgung in der stationären Versorgung – also im Krankenhaus – exklusiv anzubieten. Dies führt dann auch unausweichlich zu unnötigen Krankenhauseinweisungen von Patienten“, argumentiert Schroeder.

Quelle: Ärztenachrichtendienst, 22.08.2019