20.11.2018

Bündnis Junger Ärzte unterstützt Aufruf für neues Arztbild

Ein Wandel im ärztlichen Berufsalltag und ein neues Arztbild fordert das Bündnis Junge Ärzte (BJÄ) – ein fachgebietsübergreifender Zusammenschluss von Nachwuchsmedizinern aus aktuell 22 Verbänden. Die Nachwuchsärzte verschiedener Fachgebiete verlangen unter anderem mehr Zeit für die Patienten-Arzt-Beziehung und weniger Öko­nomi­sierung in der Medizin.

Das Bündnis stellt sich damit hinter eine kürzlich veröffentlichte Bestandsaufnahme zur Arbeits- und Lebenswirklichkeit junger Ärzte im Deutschen Ärzteblatt. „Die Zahl der Ärzte in Elternzeit steigt, aber innovative Arbeitszeitmodelle und flexible Kinderbetreuungsangebote sind weiterhin rar“, kritisierte Mira Faßbach, Sprecherin des BJÄ.

Ein besonderes Problem sei die Weiterbildung bei immer knapper werdenden Zeitressourcen in der Klinik: „Aufgrund des ökonomischen Druckes leidet darunter am allermeisten der Grundpfeiler einer qualitativ hochwertigen Versorgung, die zeitaufwendige Weiterbildung der Ärzte. Dies wird sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren in einem drastischen Qualitätsrückgang der medizinischen Versorgung der Bevölkerung bemerkbar machen“, warnt das Bündnis in einem Positionspapier zur Arbeitsverdichtung im deutschen Gesundheitssystem.

Das BJÄ unterstützt den Aufruf für ein neues Arztbild, den junge Ärzte verschiedener Organisationen im Deutschen Ärzteblatt Anfang November veröffentlicht haben. „Wir sind keine ‚Generation Spaß‘, sondern sehen unseren ärztlichen Beruf als Berufung. Wir sind hoch motiviert, uns für die beste ärztliche Versorgung unserer Patientinnen und Patienten einzusetzen. Aber wir sind nicht länger gewillt, dies auf Kosten unserer Gesundheit oder unserer Familien zu leisten“, heißt es darin.

„Wir lehnen den Beziehungsverlust ab, der durch zeitliche Vorgaben und Fließbandmedizin entsteht“, fahren die Autoren in dem Aufruf fort.

Die Kommerzialisierung des Gesund­heits­wesens müsse begrenzt werden. Eine ausreichende Kommunikation sei nicht nur ethisch geboten, sondern im Rahmen der partizipativen Entschei­dungs­findung und der Wahrung von Patientenrechten zwingend erforderlich.

„Unsere Generation steht nicht nur für die Vereinbarkeit von Arbeit und Lebens­gestaltung, sondern auch für eine patientenzentrierte Medizin auf Augenhöhe“, so die Autoren.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online vom 19. November 2018