08.08.2016

BKK-Antibiotika-„Studie“: Altbekanntes Kassen-Ritual und ein „spezieller Fall von Heuchelei“

Zur Generalkritik der BKK-Verbände Nordwest und Mitte, Ärzte würden Antibiotika „auf Verdacht“ und ohne vorheriges Antibiogramm verordnen…

BKK-Antibiotika-„Studie“: Altbekanntes Kassen-Ritual und ein „spezieller Fall von Heuchelei“

Zur Generalkritik der BKK-Verbände Nordwest und Mitte, Ärzte würden Antibiotika „auf Verdacht“ und ohne vorheriges Antibiogramm verordnen, entgegnet der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa), Dr. Dirk Heinrich:

„Form und Inhalt dieser Pauschalkritik durch eine dubiose, bislang nicht veröffentlichte Studie zeigen, dass die BKK Nordwest und Mitte an einer differenzierten Betrachtung und einer sachgerechten Lösung nicht interessiert sind. Antibiotikaverordnungen durch niedergelassene Ärzte werden durch die Kassenverbände insgesamt diskreditiert und sind damit Teil eines altbekannten Kassen-Rituals der General-Beschimpfung der Ärzteschaft.

In diesem Zusammenhang ein flächendeckendes Antibiogramm für alle Verdachtsfälle zu fordern, ist schon ein spezieller Fall von Heuchelei: Gerade die Krankenkassen, die die Budgetierung im ambulanten Bereich mit allen Mitteln verteidigen, bezeichnen die steigenden Laborkosten immer wieder als unnötig verordnete Leistungen und bedrohen Ärzte regelmäßig mit Regressen. Seit Jahren weigern sich die Krankenkassen beispielsweise, Streptokokken-Schnelltests zu bezahlen. Insofern ist die aktuelle Forderung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Schnelltests zukünftig zu bezahlen, völlig richtig.

Krankenkassen sollten Partner im System der Versorgung kranker Patienten sein und nicht aus alten Reflexen heraus zur Ärzteschaft ein unnatürliches Feindverhältnis pflegen. Daher wäre es vielmehr der richtige Weg unter Partnern, dass diese Daten zunächst mit der Ärzteschaft, also mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Fachverbänden, wie dem Deutschen Hausärzteverband e.V., dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) oder dem Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa), zu diskutieren.

Eine rationale Antibiotikatherapie und die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen sind die zentralen globalen gesundheitspolitischen Themen unserer Zeit. Die niedergelassenen Ärzte arbeiten schon lange mit ganz differenzierten Mitteln am sinnvollen Einsatz von Antibiotika. Evidenzbasiert werden beispielsweise Symptomscores zum Einschätzen einer Antibiotikanotwendigkeit eingesetzt. Mit der pauschalen BKK-Kritik werden medizinische Leitlinien ignoriert. Ein Abstrich mit Antibiogramm kann sinnvoll sein, allerdings nur, wenn dies richtig eingesetzt wird. Bei vielen Infektionen sind aber die typischen Keimspektren bekannt, die Notwendigkeit einer Antibiose kann klinisch eingeschätzt werden und ein Antibiogramm ist dann nur im Einzelfall sinnvoll. Darüber hinaus gibt es viele Infektionen, die sich einem Antibiogramm entziehen. Bei einer Mittelohrentzündung beispielsweise kann kein Abstrich genommen werden, da sich das Trommelfell zwischen Gehörgang und Mittelohr befindet und damit das Mittelohr für einen Abstrich nicht zugänglich ist. Schon dieses simple Beispiel zeigt, wie unsinnig die pauschalen Äußerungen der BKK-Verbände sind.“