18.12.2018

Sind Ärzte etwa arbeitsscheu? – Am Gängelband von Politik und Krankenkassen

„Ein niedergelassener Magen-Darm-Arzt arbeitet im Durchschnitt 52 Stunden in der Woche“, sagt der Berufsverbandsvorsitzende Dr. Albert Beyer. „Da ist es unerträglich, wenn der Spitzenverband der Krankenkassen aufgrund von fadenscheinigen Umfragen Fake-News über die angebotenen Sprechstunden verbreitet. Unsere Patientenkönnen dies nicht verstehen.“

Kurz vor der ersten Lesung zum geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) im Bundestag kursieren Behauptungen, dass ein Viertel der Kassenärzte weniger als die geforderten 25 Sprechstunden pro Woche anbieten. Tatsache ist hingegen, dass die niedergelassenen Ärzte mit im Schnitt 32 Sprechstunden schon längst mehr anbieten als verlangt. Dies hat der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, unlängst anhand seriös erhobener Daten klargestellt.

„Wer die Betreuung von chronisch kranken Menschen durch mehr Gesprächsangebote verbessern möchte, provoziert Verschiebungen im Leistungsangebot, die nicht umsonst zu haben sind“, betont Dr. Beyer. „Die durchaus wünschenswerte Aufwertung von Betreuungspauschalen für Patienten mit chronischen Darm- oder Lebererkrankungen kann nicht mit einer Abwertung von anderen Leistungen erkauft werden. Das insbesondere vor dem Hintergrund, dass etliche medizinisch längst anerkannte neue Verfahren sowieso nur sehr schwer Eingang in den momentanen Leistungskatalog finden.“

Das Leistungsvermögen des ambulanten Systems basiert auf dem Engagement der freiberuflichen, selbstständig tätigen Ärzte. Nach validen Daten arbeiten die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte schon jetzt 52 Wochenstunden für die Versorgung ihrer Patienten. Sie investieren erheblich mehr Zeit in die Gesundheitsversorgung als ihre angestellten Kollegen. „Es sind die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, die die ambulante und wohnortnahe Versorgung von chronisch kranken Darm- und Leberpatienten sicherstellen. Mit dem Angebot einer qualifizierten Darmkrebsvorsorge tragen sie erheblich zum Erfolg im Kampf gegen diese epidemische Tumorerkrankung bei“,so Dr. Beyer. „Staatlicher Dirigismus bis auf Praxisebene sowie das angestrebte„Nullsummenspiel“ auf der Ausgabenseite wird nicht dazu beitragen, die Versorgung weiter zu verbessern.“

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen e.V. (bng) vom 17. Dezember 2018