31.08.2020

Corona-Strategie: Ärzte und Industrie begrüßen Kurswechsel

Die Fachärzte sehen in der neuen Corona-Teststrategie eine Rückkehr zu medizinischen Grundsätzen. Die Diagnostica-Industrie verweist auf neuartige Test-Optionen.

Berlin. Die aktuell noch weitausgreifende Teststrategie lässt offenbar die Testkapazitäten knapp werden. Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) hält die nun von Bund und Ländern angestrebte Konzentration der Tests auf Menschen mit Symptomen, Pflegebedürftige, medizinisches und pflegerisches Personal für nachvollziehbar. „Es liegt in der Verantwortung der Politik, die Teststrategie im Bedarfsfall neu zu justieren“, sagte dazu VDGH-Vorstandsvorsitzender Ulrich Schmid.

Zu den am Donnerstag von Bund und Ländern getroffenen Vereinbarungen gehört auch, einen Bericht über die vorhandenen Kapazitäten zu erstellen. In den Blick genommen werden sollen dabei auch neue diagnostische Optionen.

Industrie hat Test-Alternativen

Solche Technologien könne die Diagnostica-Industrie zur Verfügung stellen, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Insbesondere Antigentests böten ein großes Potenzial. Sie ermöglichten schnelle Testergebnisse. Auch Point-of-care-Tests und Multiplex-Tests, die Corona-und Influenza-Viren in einem Schritt entdecken und unterscheiden könnten, seien eine sinnvolle Ergänzung für den Erregernachweis.

In den fünf Monaten von Februar bis Juni haben die rund 100 im VDGH versammelten Unternehmen die Produktion eigenen Angaben zufolge um 1800 Prozent gesteigert. Trotz des „weltweit explodierenden Bedarfs“ seien die Hersteller von Reagenzien, Testkits und Geräten in der Lage, die Belieferung in Deutschland sicherzustellen. Die deutlich gestiegene Zahl der in den ärztlichen Laboren vorgenommen Akutdiagnostik und die hohe Auslastung wiesen auf Handlungsbedarf hin.

SpiFa: „Politik ist einsichtig“

Auch auf Ärzteseite stößt der Beschluss auf Zustimmung, die kostenlose Testung asymptomatischer Personen bei der Einreise aus Nichtrisikogebieten zu beenden. Der Spitzenverband Fachärzte(SpiFa) hatte diese Praxis kritisiert, weil sie gegen die medizinische Grundregel verstoße, diagnostische Verfahren nicht ohne Anlass einzusetzen. „Auch in der Politik setzt sich die Einsicht durch, dass mehr nicht immer auch besser ist“, sagte SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich. Der SpiFa hält es zudem für zumutbar, dass rückkehrende Urlauber aus Risikogebieten, die ihren Aufenthalt freiwillig gewählt haben, für die Kosten der Testung aufkommen müssten.

So sieht dies auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Christine Aschenberg-Dugnus. Das sei Ausdruck der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Aschenberg-Dugnus forderte zudem, die Gesundheitsämter zügig zu stärken und ihre Digitalisierung voranzutreiben. (af)

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