20.05.2021

EBM-Honorar – Fachärzte bei Hygienekosten „kampfbereit“

Ärzte Zeitung, 19. Mai 2021

Fachübergreifend wollen Vertragsärzte jetzt ambulante Op-Leistungen runterfahren, wenn Patienten keine Deckungszusage ihrer Kasse für die Medizinprodukte-Aufbereitung beibringen.

Teures Op-Besteck: Die Endoskop-Aufbereitung ist nur ein Beispiel für die stetig gestiegenen Hygienekosten ambulant operierender Praxen.

90 Millionen Euro jährlich hatten zuletzt die Kassen geboten, um den Hygieneaufwand ambulant operierender Praxen zu finanzieren. Eine „lächerlich geringe Summe“, wie sich KBV-Chef Dr. Andreas Gassen im Anschluss an die jüngste Verhandlungsrunde Mitte März empörte. Nun scheint das Thema erneut im erweiterten Bewertungsausschuss auf den Tisch zu kommen.

Der Facharztverband SpiFa forderte am Mittwoch die Kassenseite einmal mehr auf, sich der „Finanzierung von Hygienemaßnahmen nicht länger zu verweigern“. Allerdings wird dieser ärztlicherseits mittlerweile schon Routine gewordene Appell im Ton schärfer. „Wir sind nicht mehr bereit, hier still zu halten, sondern werden mit unseren Patienten über die Verweigerung der Kassen in unseren Praxen sprechen“, kündigt SpiFa-Vorstandsmitglied Dr. Axel Schroeder an, der auch als Präsident des Berufsverbands der Urologen (BvDU) amtiert .

Erstmals sollen jetzt fachübergreifend die Patienten aufgefordert werden, sich bei ihrer Krankenkasse eine „Kostenübernahmeerklärung für die vor Benutzung notwendige hygienische Wiederaufarbeitung der medizinischen Geräte“ zu besorgen. Ansonsten würden ambulante Eingriffe „generell nicht mehr in dem Umfang wie bisher erbracht“.

Hoffen auf verständnisvolle Patienten

Schroeder ist zuversichtlich, die Patientenbeziehung auf diese Probe stellen zu können, um Bewegung in die Honorarverhandlungen zu bringen. „Die Krankenkassen sollten das Kreuz haben, ihren Versicherten zu erklären, warum sie allseits anerkannte Hygienestandards nicht bezahlen wollen, deren Erfüllung sie selbst einfordern.“

Vorbild sei die Protestaktion urologischer Vertragsärzte vor zwei Jahren, als zwischenzeitlich keine Blasenspiegelungen mehr erbracht wurden. Damals habe man durchaus Verständnis und Unterstützung von Patientenseite erfahren und schließlich mit der Aufwertung der Zystoskopie-GOP 26310 um rund 300 Punkte auch einen Teilerfolg erzielen können.

Konkret soll die Sache nach Darstellung Schroeders so aussehen, dass die Medizinprodukte-Aufbereitung je nach Eingriff als Teilleistung invidiuell vom Arzt bepreist wird und die Patienten dann gebeten werden, bei ihrer Kasse auf Kostenübernahme zu drängen. Dazu müsse man den Patienten die Sachlage natürlich eingehend erklären.

Angst der Kassen lähmt die Selbstverwaltung

SpiFa-Geschäftsführer Lars Lindemann ergänzte auf Nachfrage, die Mitgliedsverbände seien „erheblich kampfbereit“, die Verweigerungshaltung der Kostenträger jetzt aufzubrechen. Deren akute Angst vor leeren Kassen und steigenden Zusatzbeiträgen lasse sich angesichts der ihnen aufgebürdeten Corona-Kosten zwar nachvollziehen. Dennoch sei es inakzeptabel, wenn über sachgerechte Vergütungsfragen gar nicht mehr miteinander gesprochen werden kann.

Der durch behördliche Anforderungen über die Jahre gestiegene Hygieneaufwand niedergelassener Ärzte wird vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) Stand 2018 mit jährlich rund 24.000 Euro je Praxis beziffert. Ein Großteil davon ist durch das EBM-Honorar nicht gedeckt. Exemplarisch rechnet SpiFa-Geschäftsführer Lindemann vor, dass etwa eine endoskopische Kehlkopfuntersuchung einschließlich Geräteaufbereitung zwischen 25 und 30 Euro kostet, nach EBM aber lediglich 8,23 Euro dafür gezahlt werden (Lupenlaryngoskopie-GOP 20310 oder 09311).

Trotz Aufwertung immer noch deffizitär, fällt laut Urologe Schroeder auch die EBM-Vergütung der Blasenspiegelung aus. 83,10 Euro bringt diese Leistung insgesamt, wobei allein die manuelle Aufbereitung des Endoskops mit 80 bis 100 Euro zu veranschlagen sei.

Quelle: Ärzte Zeitung, 19. Mai 2021