21.12.2016

Junge Ärztin

Einen Mentor zu haben, kann in der Weiterbildung helfen – nicht nur in kritischen Phasen. Dr. Diane Bitzinger erklärt das Konzept.

Gerade am Beginn der beruflichen Laufbahn sieht man sich als Arzt in Weiterbildung mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die mit den bisher erworbenen Fähigkeiten oft nur schwer zu bewältigen sind. Ein erfahrener Ansprechpartner ist da ein großer Wunsch.

Mentoringprogramme setzen genau hier an: Sie können helfen, gerade solche Fähigkeiten zu schulen, die im medizinischen Umfeld benötigt werden, aber in aller Regel nicht Teil des Studiums sind. Zahlreiche Verbände, Fachgesellschaften, Universitäten und Kliniken haben das bereits erkannt und daher eigene Mentoringprogramme für unterschiedliche Zielgruppen etabliert.

Mentoring bezeichnet dabei die Tätigkeit einer erfahrenen Person (Mentor), die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten an eine noch unerfahrene Person (Mentee) weitergibt, um diese in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern. Der Mentor unterscheidet sich vom Vorgesetzten dadurch, dass er beratende und unterstützende, aber eben keine kontrollierenden Funktionen wahrnimmt.

„Allein der Austausch machte Mut“

So kann ganz offen über Themen gesprochen werden, für die im Berufsalltag oft kein Platz ist. Ich selber etwa koordiniere das Mentoringprogramm für Nachwuchswissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).

Dort berichtete eine Teilnehmerin: „Ein bereichernder Aspekt war der Austausch mit meiner Mentorin zum Thema: Wie kann ich Karriere und Familie unter einen Hut bringen? Natürlich konnten wir keine Patentlösung erarbeiten, aber allein der Austausch machte mir Mut, den Weg mit Familie und Karriere weiterzugehen.“

Besonders gewinnbringend ist das Mentoring dabei, wenn der Mentor eine breite Berufserfahrung aufweist und über ein fachspezifisches Netzwerk verfügt, in das er den Mentee einführen kann. Ebenso dienlich sind – je nach Bedarf – profunde Kenntnisse bezüglich der Weiterbildung, des Arbeitsrechts, der Niederlassung oder der Wissenschaft.

In der Regel handelt es sich um Ordinarien, Chefärzte und Praxisinhaber, die über große klinische und/oder wissenschaftliche Erfahrung verfügen und bereit sind, sich (ehrenamtlich) als Mentoren zu engagieren.

Die teilnehmenden Mentees werden meist nach einem Bewerbungsverfahren für das Programm ausgewählt und geeigneten Mentoren zugeordnet. Ziel ist, zwischen Mentee und Mentor den vertrauensvollen Austausch über einen längeren Zeitraum hinweg zu fördern.

Beide Partner profitieren

Beim Aufbau dieses vertrauensvollen Verhältnisses ist es essenziell, dass sich beide Partner einbringen! Schließlich profitieren auch beide durch eine Stärkung ihrer beruflichen und persönlichen Kompetenzen – vor allem, wenn das Programm idealerweise mit einem Seminarprogramm zur gezielten Schulung bestimmter Fähigkeiten, etwa Zeitmanagement oder Führung, einhergeht.

Dass Mentoringprogramme Ärzten in Weiterbildung so nachhaltig Erfolge bringen und nutzen, ist in der Literatur mittlerweile zahlreich beschrieben. Worin genau sich das zeigt? Höhere Zufriedenheit mit der eigenen Karriere, Vergrößerung des beruflichen Erfolges und Netzwerks sowie eine Verbesserung der Fähigkeiten in Lehre und Patientenversorgung.

Ärztezeitung, 21.12.16