12.11.2018

NAV-Virchow-Bund: „Die Budgetierung muss weg!“

Ärzte Zeitung online, 09.11.2018

Löst ein Ende der Budgets Versorgungsprobleme? Ein Staatssekretär hält das für Spekulation.

Von Anno Fricke

Die Politik hätte schon früher mehr junge Menschen zum Medizinstudium zulassen müssen, sagte Gebhart zur Eröffnung der Jahreshauptversammlung des NAV-Virchow-Bundes am Freitag in Berlin.

Gebhart forderte einen Schulterschluss von niedergelassenen Ärzten und Politik bei der Förderung der ambulanten Versorgung ein.

Gleichzeitig zweifelte er an, ob eine pauschale Abkehr von der Budgetierung die gewünschte Versorgungsverbesserung auslösen könne. „Darüber kann man spekulieren. Genau wissen wir das nicht“, sagte Gebhart.

Die Ärzteseite sieht dies anders: „Die Budgets sind die Hauptursache für die Versorgungsprobleme“, erwiderte NAV-Virchow-Bund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich dem Staatssekretär. Die Budgetierung müsse weg.

Starker regulativer Eingriff

Der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) sieht vor, dass Ärzte für die Kassenzulassung 25 statt bisher 20 Sprechstunden für Kassenpatienten in der Woche anbieten sollen. Zudem sollen Fachärzte, nicht Hausärzte, fünf offene Sprechstunden in der Woche anbieten, um Wartezeiten zu dämpfen.

Das Gesetz verspricht dafür mehr Honorar. Die zu erwartenden rund 4000 Euro brutto im Jahr je Praxis seien allerdings kein Grund, die starken regulativen Eingriffe hinzunehmen, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

„Uns fehlt die Zeit für noch mehr Arbeit“, kommentierte Heinrich die Pläne. Die Ärzte wollten eigentlich weniger Patienten, für die sie dann aber mehr Zeit aufbringen könnten.

Heinrich forderte Gesundheitsminister Jens Spahn auf, die Fachärzte nicht darauf zu verpflichten, offene Sprechstunden anzubieten. Dies könne nur auf freiwilliger Basis erfolgen.

„Wir werden keine Eingriffe des Gesetzgebers in die Praxisorganisation tolerieren“, sagte Heinrich.

Das Gesetz fördere die, die bisher weniger geleistet hätten, sagte die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Ellen Lundershausen. Die, die ohnehin am Limit arbeiteten, hätten nichts davon.

Quelle: Ärzte Zeitung Online, 9. November 2018