28.01.2021

Neues Grundsatzprogramm vorgelegt – SpiFa: Ärzte müssen ohne ökonomischen Druck entscheiden können

Alle Ärzte – egal ob in Klinik oder Praxis – sollen das Patientenwohl wieder in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stellen können, fordert der SpiFa. Das erfordere aber auch neue Versorgungsmodelle und ein Umdenken bei der Vergütung.

Berlin. Seit Jahren monieren Ärzteverbände und Fachgesellschaften, dass Ärzte bei ihren medizinischen Entscheidungen zunehmend ökonomischem Druck ausgesetzt werden – insbesondere in den Kliniken. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl in diesem Herbst fordert der Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) daher, die Philosophie des freien Berufes wieder in den Mittelpunkt ärztlichen Handelns zu stellen. Dazu müssten Versorgungsprozesse und die Vergütungsmodelle angegangen werden. Aber auch die Ärzteschaft selbst sei gefragt: Nämlich darin, das freiberufliche Handeln an die nächste Generation weiterzugeben.

Abschottung der Sektoren muss aufhören

In einem Zehn-Punkte-Programm stellt der SpiFa seine Forderungen für eine zukunftsfähige Versorgung auf. Knackpunkt ist dabei auch die nach wie vor gelebte Abschottung der Sektoren. „Mit der Auflösung der Sektorengrenzen sehen wir viele Chancen im Sinne einer patientenzentrierten und patientengerechteren Versorgung“, erklärt Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. Durch die Sektorenabschottung habe sich nicht nur die Kommunikation zwischen Krankenhausärzten und niedergelassenen Ärzten zunehmend in den letzten Jahrzehnten verschlechtert, sondern auch jene zwischen fach- und hausärztlichem Versorgungsbereich.

Die wichtigsten Forderungen im Überblick:

  • Die ärztliche Freiberuflichkeit soll gestärkt werden. Ärzte sollen wirtschaftlich unabhängige und am Patientenwohl orientierte Entscheidungen treffen können. Dieses Recht will der SpiFa auch wieder vermehrt für angestellte Ärzte in Kliniken, Praxen und MVZ durchsetzen.
  • Die ambulant-stationäre Versorgungsgrenze soll endlich fallen. Fachärzte in Klinik und Praxis sollen Patienten gemeinsam versorgen. Dazu müsse auch hinterfragt werden, ob in der fachärztlichen Versorgung alle medizinischen Leistungen im, aus SpiFa-Sicht begrenzten, Katalog des Kollektivvertrages erbracht werden müssten. Der SpiFa fordert, die Selektivverträge zu erweitern. Zudem soll die fachärztliche Weiterbildung gemeinsam in Klinik und Praxis erfolgen.
  • Die Budgets sollen zumindest teilweise fallen: Die patientenorientierte ärztliche Tätigkeit soll nach Wunsch des SpiFa komplett entbudgetiert werden. Dabei kritisiert der Verband auch die Trennung der haus- und fachärztlichen Versorgung in der Honorarstruktur. Diese habe zu einem Auseinanderdriften von Vergütung und tatsächlich erbrachter Leistung geführt.
  • Die nächste Ärztegeneration soll in ihrem freiberuflichen Denken und Handeln gestärkt werden. Dies soll auch durch innovative Arbeitsmodelle und mehr Niederlassungsfreiheit gelingen.
  • Die GOÄ dürfe nicht zu einem Leistungskatalog mutieren. „Der freie Beruf des Arztes hat Anspruch auf eine eigenständige Gebührenordnung, die die Verantwortung und Leistungsfähigkeit des Berufsstandes widerspiegelt“, heißt es in dem SpiFa-Papier. Sie dürfe nicht mit den Kostenträgern, so sieht es die geplante GOÄ-Novelle vor, abgestimmt werden. (reh)

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