28.09.2020

Positionsstreit – Fachärzte warnen vor „Sektorenegozentrik“

Der SpiFa appelliert an den Marburger Bund, die Positionen bei der intersektoralen Versorgung nicht zu weit auseinanderdriften zu lassen.

Berlin. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands plädiert für mehr sektorenübergreifende Versorgung. „Sektorengrenzen sind aus medizinisch-ärztlicher Sicht überholt, dienen allein der ökonomischen Steuerung und behindern eine patientengerechte Versorgung“, heißt es in einer Reaktion des SpiFa auf ein Positionspapier des Marburger Bundes. Gleichzeitig werben die Fachärzte für ihr Konzept der „intersektoralen Leistungen“.

Hybrider Versorgungsbereich

Damit hatte der SpiFa im vergangenen Jahr auf Eckpunkte der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur sektorenübergreifenden Versorgung reagiert. Kern der SpiFa-Vorschläge ist ein hybrider Versorgungsbereich, in den alle stationären Fälle mit einbezogen werden könnten, die vier Tage Liegedauer nicht überschreiten. Der Sachverständigenrat Gesundheit hat vorgearbeitet und einen Katalog von 2600 Leistungen erstellt, die sowohl ambulant als auch stationär erbracht werden können. Ein Gutachten soll nun ausloten, wie sich daraus ein eigener Versorgungsbereich zimmern lassen könnte.

Die Gewerkschaft der Krankenhausärzte hat in ihrem Papier zwar ebenfalls auf eine engere Verzahnung der Arbeit ambulanter und stationär tätiger Fachärzte abgehoben. Es werde aber deutlich, dass der MB die Vernetzung innerhalb der bestehenden Sektorengrenzen sehe, sagte Dr. Hans-Friedrich Spies, Vorstandsmitglied des SpiFa. Der Status quo aber setze die Patienten weiterhin der „Sektorenegozentrik“ aus, heißt es beim SpiFa. Die Positionen des MB lehne der Facharztverband daher ausdrücklich ab.

Chance für die Freiberuflichkeit

In deren Überwindung liege die Chance auch für die Krankenhausärzte, die „strukturelle Beeinträchtigung der Freiberuflichkeit durch rein kaufmännisch agierende Krankenhaus-Geschäftsführungen“, sagte Lars Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa.

Gemeinsame Projekte von Marburger Bund und Vertragsärzten gibt es an anderer Stelle. 2017 haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der MB ein gemeinsames Konzeptpapier für eine „integrative Notfallversorgung“ verfasst. Die Reform der Notfallversorgung ist derzeit noch Gegenstand laufender Gesetzgebung.

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