07.10.2019

Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung – Psychologen sehen „Verschlimmbesserung“

Die Reform des Psychotherapeutengesetzes stößt beim Berufsverband der Psychologen auf heftige Kritik. Von einer „Verschlimmbesserung ersten Ranges“ spricht Verbandschef Krämer.
 
„Patientinnen und Patienten droht großer Schaden durch die Senkung der Qualität der Approbation und die Situation derer, die in diesem anspruchsvollen Berufsfeld arbeiten wollen, wird nur unwesentlich verbessert“, kommentiert Prof. Michael Krämer, Präsident des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Gesetzesreform.

 
Die Ausbildung von Psychotherapeuten soll künftig über ein eigenständiges Studium laufen und dann für Berufseinsteiger auch finanziell lukrativer werden. Die neuen Studiengänge sollen zum Wintersemester 2020 starten. Vorgesehen ist ferner, dass während der anschließenden Weiterbildung in Kliniken oder ambulanten Einrichtungen auch ein kleines Gehalt bezahlt werden muss. Darauf besteht bisher kein gesetzlicher Anspruch.
 
Die neue Universitätsausbildung soll fünf Jahre dauern. Nach bestandener Prüfung bekommen Absolventen eine Approbation. Es schließt sich aber noch eine Weiterbildung an, nach der sich Psychotherapeuten dann auch ins Arztregister eintragen lassen können.Im Gesetz fehle eine klare Defintion der Zugangsbedingungen zum Studium für Absolventen der Psychologie.
 
Zudem werde der Nachwuchs nach wie vor nicht angemessen entlohnt, kritisiert der BDP. Die mangelhafte Entlohnung für die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) bleibe bestehen. PiA sollen in der ersten Phase in Vollzeit 1000 Euro erhalten. Offen bleibe allerdings, was das neue Gesetz mit Vollzeit meint, moniert der Verband. Bei der Teilzeitform der bisherigen Ausbildung werde das Gehalt nur zwischen 500 und 750 Euro im Monat liegen.„Nachdem das Gesundheitsministerium die Misere vor 15 Jahren mit seiner Interpretation, dass es sich bei den auf fünfjährigen Universitätsniveau ausgebildeten Psychologinnen und Psychologen um Praktikantinnen und Praktikanten handele, angerichtet hat, schreibt es das zu niedrige Gehalt nun sogar ins Gesetz“, ärgert sich BDP-Präsident Krämer.Bezeichnenderweise habe nicht nur die Opposition sondern auch der Koalitionspartner SPD in der Anhörung zum Gesetz betont, dass das Gesundheitsministerium nachbessern müsse. „Dass dies bei Beschlussfassung schon breit konstatiert wird, ist kein gutes Zeichen für die deutsche Politik und zeigt, dass das BMG handwerklich deutlich besser werden muss“, so der BDP.
 

Quelle: Ärztenachrichtendienst, 05.10.2019