01.10.2019

PVS Verband wird Mitglied im SpiFa

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) hat einen weiteren Verband aufgenommen und wächst auf 32 Mitglieder. Mit jetzt 29 ordentlichen und 3 assoziierten Mitgliedern stärkt der SpiFa seine Position als größter Fachverband Deutschlands für Klinik und Praxis. Neu an Bord als assoziiertes Mitglied ist der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS Verband).

Herr Tilgner, herzlichen Glückwunsch zur Mitgliedschaft im SpiFa! Was verbinden Sie als Geschäftsführer des PVS Verbandes mit der Mitgliedschaft im SpiFa?

Ich denke, die Zeit ist reif für einen Schulterschluss der freien Organisationen der Ärzteschaft, um mit vereinter Kraft den Angriffen auf die Freiheit des Arztberufes etwas entgegen zu stellen. Wir sehen, dass die Politik die Selbstverwaltung immer mehr an die Kette legt. Wir sehen, dass eine der Grundfesten des freien Berufes, nämlich das eigene Honorar auf Grundlage einer amtlichen Gebührentaxe, dennoch im eigenen Ermessen zu bestimmen, in Frage gestellt wird. Und wir sehen die reale Gefahr, dass im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens Entscheidungsprozesse und Souveränitätsrechte Ärzten und Patienten entzogen und von Kassen und Versicherungsunternehmen oder anderen, ggf. neuen Playern im Gesundheitswesen für sich beansprucht werden. All diesen Entwicklungen müssen wir uns als das Sprachrohr der freien Organisationen der Ärzteschaft, vereint im SpiFa, entgegenstellen.

Wie beurteilen Sie den Stand der GOÄ-Verhandlungen?

Gemeinsam mit den Berufsverbänden und den Fachgesellschaften wird intensiv an den „rechnerischen“ Aufgaben gearbeitet. Der komplexe Prozess der Transkodierung von GOÄalt auf GOÄneu läuft auf Hochtouren. Auch wenn angesichts der Tatsache, dass in der neuen GOÄ beispielsweise Komplexe gebildet worden sind, die mit der bisherigen Abrechnungssystematik eher nicht in Einklang zu bringen sind, durchaus Bedenken bestehen, ob das gelingen kann, bin ich zuversichtlich, dass die Bundeärztekammer gemeinsam mit den Berufsverbänden und Fachgesellschaften gangbare Wege finden wird. Skeptisch bin ich vielmehr hinsichtlich der Rahmenbedingungen. Ungewiss ist, was die wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem der Politik raten wird. Fest steht allerdings, dass wenn grundlegenden Änderungen am dualen Versicherungssystem und der bisherigen Vergütungssytematiken in den Raum gestellt würden, die Arbeit an der Novelle umgehend gestoppt werden muss. Und ganz entscheidend für den Novellierungsprozess wird auch die Ausgestaltung des Paragraphenteils sein. Ich halte sowohl die Abdingung der Gebührenordnung selbst als auch die Fortführung der Möglichkeit der Analogabrechnung für zentrale, unverzichtbare Bestandeile der GOÄ und damit eines freien Berufes.

Wie frei sind die Ärzte in Deutschland in ihrer Berufsausübung, wo sehen Sie die größten Risiken?

Wir erleben eine zunehmende Einflussnahme der Politik auf das Gesundheitswesen. Die Selbstverwaltung wird immer weiter kontrolliert, eingeschränkt, entmachtet. Die politische Einflussnahme geht immer mehr in Richtung Steuerung und ich sehe ganz klar die Gefahr, dass unser Gesundheitssystem in Richtung eines „Nationalen Gesundheitsdienstes“ nach britischem Vorbild weiterentwickelt werden soll. In so einem Gebilde hat der freiberufliche Arzt keinen Platz mehr. Nachdenklich stimmt mich auch, dass die jungen Ärztinnen und Ärzte zunehmend Angst davor haben, in die Niederlassung zu gehen. Wir müssen aus der Ärzteschaft heraus Angebote und Konzepte entwickeln, um Angst zu nehmen und gleichzeitig neue, zukunftsorientierte Strukturen zu schaffen. Ansonsten übernehmen in nicht allzu ferner Zukunft „Konsortien“ die Gesundheitsversorgung.

Worin liegt die größte Bedrohung durch die Direktabrechnung?

Wenn es den Versicherungen gelingt, die Direktabrechnung zu etablieren, bei der die Rechnungen direkt vom Arzt an die Versicherungen geschickt und von den Versicherungen an den Arzt bezahlt werden, dann ist das ein ganz entscheidender strategischer Schritt der Versicherungen in der Erreichung ihres Zieles, vom „Payer zum Player“ zu werden. Der Arzt wird zu Bittsteller, die Patienten ihrer Souveränität beraubt. Damit wird das Ende des freien Arztberufes eingeläutet, an die Stelle des Arzt-Patientenverhältnisses tritt ein Versicherungs-Arzt-Verhältnis – und klar ist, wer am längeren Hebel sitzt. Das müssen wir mit aller Kraft verhindern.

Herr Tilgner, vielen Dank für das Gespräch.

Alle Infos zum PVS Verband: www.pvs.de