31.08.2020

Quarantäneüber­wachung sollte nicht an Gesundheitsämtern hängen bleiben

Berlin – Bund und Länder haben gestern beschlossen, die Regelungen für Reiserückkeh­rer aus Coronarisikogebieten zu verändern. Diese müssen demnach ab dem 1. Oktober verpflichtend in eine 14-tägige Quarantäne. Ein negativer Test auf SARS-CoV-2, der die Quarantäne beenden kann, soll frühestens nach fünf Tagen möglich sein.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) betonte, die Überwachung der häuslichen Quarantäne dürfe nicht auf die Ordnungsämter abgewälzt werden. „Die Amtsärzte sind voll damit ausgelastet, Infektionsketten nachzuverfolgen und Quarantänemaßnahmen einzuleiten“, sagte BÄK-Chef Klaus Reinhardt. Überwachung und Sanktionierung der Maßnahmen müssten andere übernehmen. Reinhardt nannte zum Beispiel Polizei und Ordnungsämter.

Reinhardt mahnte zudem mehr Einheitlichkeit an. Es trage nicht zur Akzeptanz von Prä­ven­tionsmaßnahmen bei, dass sich Meldestrukturen und Quarantänebestimmungen der Ge­sundheitsämter teilweise sogar von Kommune zu Kommune unterscheiden würden, kritisierte der BÄK-Präsident. „Wir brauchen bundesweit viel stärker aufeinander abge­stimmte und konzertierte Entscheidungs- und Informationsstrukturen im öffentlichen Gesundheitsdienst.“

Zögerlichkeit warf Reinhardt Bund und Ländern bei der angekündigten Stärkung der Ge­sundheitsämter vor: „Wir hätten uns gewünscht, dass sich Bund und Länder intensiver mit der Umsetzung des sogenannten Paktes für den öffentlichen Gesundheitsdienst be­schäf­tigt hätten.“ Dieser Pakt wird derzeit von Bund und Ländern erarbeitet. Eine Konfe­renz bei Merkel am 8. September soll hier nächste Schritte einleiten.

„Deutschland erlebt die größte Gesundheits- und Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte, und in vielen Gesundheitsämtern muss immer noch analog statt digital gearbeitet wer­den“, kritisierte Reinhardt. „Und dass, obwohl die Pandemie ein hoch dynamisches G­e­sche­hen ist. Das muss sich ändern, und zwar sofort.“

Reinhardt begrüßte das beschlossene befristete Verbot für bestimmte Großveranstaltun­gen. „Öffentliche und private Großveranstaltungen können schnell zu Infektionsherden werden“, sagte er. „Bevor wir Schulschließungen oder sogar einen erneuten wirtschaftli­chen Lockdown riskieren, sollten wir größere soziale Zusammenkünfte begrenzen“, so Reinhardt. „Im Moment ist einfach nicht die Zeit für Jahrmärkte und Schützenfeste.“

Das von Bund und Ländern angekündigte Ende der Kostenübernahme für freiwillige Tests von Reiserückkehrern aus Nicht-Risikogebieten sei angesichts der endlichen Ressourcen richtig und notwendig.

„Die Teststrategie von Bund und Ländern sollte darüber hinaus ne­­ben anlassbezogenen Testungen auch vermehrt auf Schnelltests setzen“, bekräftigte Reinhardt. Diese Tests lie­ferten bereits nach etwa einer Stunde ein Ergebnis. „Ärzte könn­en Patienten direkt in den Praxen oder in Teststationen beraten und entsprechenden Quarantänemaßnahmen ver­anlassen.“

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) begrüßte, dass von der vorherigen Strategie des Testens asymptomatischer Personen nach der Einreise aus Nicht-Risikoge­bieten Abstand genommen wurde. Der Beschluss stelle einen Paradigmenwechsel in der Teststrategie der Bundesregierung und der Bundesländer dar.

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