13.09.2016

Überlastung der Notaufnahmen: Auch Patienten müssen in die Verantwortung genommen werden

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) zur Diskussion über die Probleme in der Patientenversorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten.

Die Inanspruchnahme der Notaufnahmeeinrichtungen in Deutschlands Krankenhäusern durch Patienten ohne Notfallindikation hat nach Angaben der Krankenhäuser massiv zugenommen. Die vom Verband der Ersatzkassen und dem AQUA-Institut kürzlich veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ungefähr ein Drittel der Patienten auch ohne Probleme von niedergelassenen Ärzten versorgt werden könnten. Allein Portalpraxen, wie in dem Gutachten vorgeschlagen, werden das Problem nicht lösen. Denn auch dort, wo bereits Portalpraxen betrieben werden, sind Notaufnahmen überlastet, da man bisher vor einer konsequenten Verweisung nicht notaufnahmepflichtiger Patienten an die Portalpraxen zurückschreckt.

„Die Aufrechterhaltung des völlig freien und ungeregelten Zugangs der Patienten zu ärztlichen Leistungen bringt eine Ineffektivität und gleichzeitige Fehlallokationen von Ressourcen mit sich. Dies entzieht unserem Gesundheitssystem ohne Not erhebliche Finanzmittel, die an anderer Stelle fehlen und schafft darüber hinaus neue Probleme“, so Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa e.V.

„Wir haben gute Strukturen wie den ärztlichen Bereitschaftsdienst und Portalpraxen, trotzdem stoppen sie den weiterhin anhaltenden Run auf die Notaufnahmen der Krankenhäuser nicht. Deshalb muss endlich eine Wettbewerbungsordnung an der Schnittstelle ambulant/stationär sowie eine sinnvolle Patientensteuerung etabliert werden. Dazu ist es notwendig, die vorhandenen Strukturen geregelt miteinander zu verzahnen, der Patient muss dabei auch durch seine Krankenkasse informiert und in die Lage versetzt werden, die richtige Anlaufstelle zu wählen oder aber von der gewählten Anlaufstelle auf den richtigen Versorgungspfad geleitet zu werden. Ein Ausbau gesonderter Versorgungsformen außerhalb des Kollektivvertrages, welche passgenau die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind, trägt ebenfalls dazu bei, „vermeintliche Notfälle“ zu verringern.“

Lindemann: „Dem Patienten muss klar sein, dass die vorhandenen Ressourcen begrenzt sind und grundsätzlich effizient eingesetzt werden müssen. Es darf deshalb kein Tabu sein, darüber zu sprechen, Patienten, die die Notfallambulanz ohne Notfallindikation in Anspruch nehmen, (aus welchem Grund auch immer) an den Kosten der Behandlung in angemessener Weise zu beteiligen. Flatratedenken und Wohlfühlverhalten sind einem solidarischen System fremd. Klare Forderung des SpiFa e.V. ist hier, dass die Notaufnahmen der stationären Strukturen bei Vorhandensein einer Portalpraxis für gehfähige Notfälle geschlossen werden müssen.“

Es ist offensichtlich, dass im Bereich der Bereitschaft-/Notfallversorgung nur ein ganzheitliches Konzept unter Einbeziehung aller Beteiligten greifen kann. Die Fachärzte in Klinik und Praxis haben hierzu gemeinsam im SpiFa e.V. in ihrer Agenda Facharzt 2020 erste Reformansätze erarbeitet.