12.12.2016

Wettbewerb gibt Arztpraxen Investitionsanreize

Das Investitionsklima in deutschen Praxen hat sich in diesem Jahr insgesamt deutlich verbessert. Das zeigt das Investitionsbarometer von Deutsche Bank und Springer Medizin. Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen neue Geräte.

Über die Hälfte der niedergelassenen Ärzte planen in den kommenden drei Jahren Investitionen in ihre Praxis. Das zeigen die Ergebnisse der Herbstumfrage 2016, die von der Verlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die „Ärzte Zeitung“ gehört, und der Deutschen Bank initiiert worden ist. 422 Ärzte haben sich an der Umfrage beteiligt, in der auch nach den Reaktionen der Ärzte auf das neue Korruptionsstrafrecht gefragt worden ist (wir berichteten am Mittwoch).

Nach den Ergebnissen des Investitionsbarometers wollen rund 53 Prozent der Umfrageteilnehmer in den kommenden drei Jahren in ihre Praxis investieren, fast jeder fünfte hat sogar eine aktuelle Investition, die er kurzfristig realisieren will. Im Vergleich zum Herbst 2015 (41 Prozent) ist die Investitionsbereitschaft damit um zwölf Prozentpunkte gestiegen.

Insgesamt hat sich das Investitionsklima in diesem Jahr im Vergleich zu 2015 deutlich aufgehellt. „Die Ergebnisse unserer Herbstumfrage decken sich mit den Erfahrungen, die wir täglich in der Beratung von Heilberuflern machen“, stellt Nina Dabringhausen fest. Viele Praxisinhaber investierten nicht mehr nur, um die Zufriedenheit von Patienten und deren Bindung an die Praxis zu steigern oder den medizinischen Nutzen zu erhöhen. „Vielmehr gilt es, sich durch sein Leistungsangebot im Wettbewerb um den Patienten von anderen Praxen zu differenzieren“, so die Expertin im Zielgruppenmanagement Heilberufe der Deutschen Bank. Praxisinhaber verfolgten mit ihrer Praxisstrategie häufig mehrere Ziele gleichzeitig und könnten neben der Steigerung von Arbeitszufriedenheit höhere Praxisumsätze und eine höhere Rentabilität erreichen.

Große Praxen investieren kräftig

Ein Blick in die Details bestätigt diese Erfahrungen: So ist der Anteil der Ärzte, die in den kommenden drei Jahren eine Investition planen, auf dem Land mit 38 Prozent deutlich geringer als in wettbewerbsintensiveren Großstädten (58 Prozent) oder Mittelstädten (65 Prozent). Einzelpraxen haben eine leicht unterdurchschnittliche Investitionsplanung (47 Prozent), während Praxen mit vier bis sechs Ärzten – die häufig stärker wettbewerblich orientiert sind – mit einer Quote von 82 Prozent besonders investitionsfreudig sind. Unter den Fachgruppen liegen die Hausärzte mit 47 Prozent wiederum leicht unter dem Durchschnitt, Internisten mit 54 Prozent ziemlich genau im Schnitt, Orthopäden mit einer Quote von 60 Prozent der Ärzte, die Investitionen planen, deutlich über dem Durchschnitt aller Ärzte.

Die Umfrage

Titel der Umfrage: Antikorruptionsgesetz: Einfluss auf den Kooperationstrend?

Initiatoren: Springer Medizin und Deutsche Bank (www.deutsche-bank.de/heilberufe)

Befragungszeitraum: Ende Oktober bis Mitte November 2016

Teilnehmer: 422 Haus- und Fachärzte

Die komplette Auswertung der Umfrage im Netz: www.aerztezeitung.de/extras/herbstumfrage16/?results=1

Lesen Sie in der (App-)Ausgabe vom vergangenen Mittwoch, Seite 23, einen weiteren Bericht zur Herbstumfrage: Die Auswirkungen des Antikorruptionsgesetzes

Von den Praxisinhabern, die keine Investitionen planen, tun sich viele schwer, die Amortisation eines Vorhabens zu beurteilen. 41 Prozent der Umfrageteilnehmer führen diese Unsicherheit als Hemmnis an. Dabringhausen empfiehlt Praxisinhabern, die besser einschätzen wollen, wann und ob sich eine geplante Investition rechnet, ein Online-Analyse-Tool für die Amortisationsrechnung von Investitionen. „Eine erste Indikation können Praxisinhaber zum Beispiel über den InvestitionsCheck auf dem neuen HeilberufePortal der Deutschen Bank erlangen“, erläutert die Expertin.

Zusammen mit spezialisierten Heilberufe-Betreuern können sie dann die Auswirkungen von Investitionen auf die Praxis simulieren und so Investitionsmöglichkeiten in unterschiedliche Medizingeräte miteinander vergleichen.

Hoher Beratungsbedarf ergibt sich laut Dabringhausen aus den Antworten auf weitere Fragen: So fühlen sich 46 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht gut über Fördermöglichkeiten für Investitionen, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die Landesförderbanken informiert. Auf Heilberufler spezialisierte Bankberater könnten hier mit ihrer Beratung einen echten Mehrwert bieten, weiß die Bankexpertin aus Erfahrung.

Ähnlich sieht es bei der Finanzierung der Investitionen aus: 54 Prozent der Teilnehmer planen eine Finanzierung aus Eigenmitteln. Dabringhausen: „Aus steuerlicher Sicht muss dies nicht immer die beste Lösung sein!“ Wer das vorhandene Eigenkapital zum Beispiel in eine private Immobilie investiere und ein Medizingerät zur Erweiterung des Leistungsspektrums der Praxis durch Kredit finanziert, könne günstigstenfalls einiges an Steuern sparen. Entscheidend sei die richtige Finanzierung, die auf das Vorhaben zugeschnitten ist und alle Möglichkeiten ausschöpft.

 Es geht um mehr als Modernisierung

Neue Geräte stehen nach den Umfrageergebnissen ohnehin am häufigsten auf der Wunschliste für Investitionen: 51 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen neue Geräte anschaffen – 34 Prozent als Neuinvestitionen und 17 Prozent als Ersatzinvestitionen. Mit 26 bis 28 Prozent in etwa gleichauf liegen dahinter Investitionen in Gebäude und Einrichtung, in die eigene Fortbildung und die des Praxisteams sowie in die Modernisierung der Praxis-EDV und der IT-Vernetzung.

Unter den Zielen der Investitionen liegen die Steigerung der Arbeitszufriedenheit bei Praxisinhaber und Mitarbeitern, eine höhere Patientenzufriedenheit, die Steigerung des medizinischen Nutzens und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit mit etwa einem Drittel der Umfrageteilnehmer vorne. Die Steigerung der Praxisrentabilität liegt mit 27,5 Prozent der Umfrageteilnehmer als Investitionsziel leicht dahinter, die Vorbereitung der Praxisübergabe sowie die Verbesserung der Work-Life- Balance verfolgt immer noch ein Fünftel der Teilnehmer als Ziel.

Ärztezeitung, 12.12.16