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SpiFa vor KBV-Krisentreffen: „Die Kolleginnen und Kollegen können und wollen nicht mehr“

ÄND: Der Frust in den Praxen über die Gesundheitspolitik wächst. Für den 18. August hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung deshalb KVen und Berufsverbände zu einer Krisensitzung nach Berlin geladen. Was erwarten die Verbände von dem Treffen? Der änd hat sich umgehört. Heute: der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa).

Verbandschef Dr. Dirk Heinrich zeichnet ein düsteres Bild: Die Unzufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung steige seit Jahren stetig, der Frust sei immens. „Die Weichenstellungen und Signale aus der Gesundheitspolitik verheißen nichts Gutes und befeuern diesen Frust auch noch. Als Folge verzeichnen wir einen Anstieg an vorzeitig Praxisabgaben, Verkauf an Praxisketten und Investoren sowie eine innere Emigration aus dem Beruf“, so seine Beobachtungen. Die Kolleginnen und Kollegen könnten und wollten nicht mehr. „Unser Arztberuf, insbesondere der in freier Praxis, ist bedroht wie nie!“

Nach den größten derzeitigen Problemen gefragt, verweist Heinrich auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter welche ambulante Versorgung geleistet werden muss: „anhaltende Budgetierung, kontinuierlich zu geringe Honorarabschlüsse mit den Krankenkassen, enorm gestiegener Kostendruck durch Energiepreis-, Miet- und die längst überfälligen Tarifsteigerungen für unsere MFA“, zählt der SpiFa-Vorsitzende auf.

Dazu komme noch, dass die anstehende Krankenhausreform ausschließlich vom stationären Sektor her betrachtet werde. Die ambulanten Potentiale würden ignoriert, eine echte Notdienstreform sei überfällig. Ein weiteres Problem: Aus dem Hause Lauterbach komme ein „Gesundheitsversorgungsgesetz“, das mit Gesundheitskiosken, Gesundheitsregionen und Primärversorgungszentren arztfreie Parallelstrukturen schaffen wolle. „Hier wird Geld ausgegeben, welches in der bestehenden ambulanten Versorgung fehlt, dort aber zielführender und nachhaltiger angelegt wäre.“

Das von der KBV angesetzte Krisentreffen müsse insbesondere zwei Punkte bewirken: „An diesem Tag zeigen alle ärztlichen Interessensverbände in Union Ihren Protest und senden ein deutliches Signal an die Gesundheitspolitik, dass die derzeitige Politik nach Haushaltslage keine Probleme löst, sondern verschleppt und sogar nachhaltig die Krisensituation des Gesundheitswesens verschlimmern wird.“ Darüber hinaus werde das Krisentreffen auch Plattform zum Austausch der einzelnen Interessensvertreterinnen und Vertreter und Nährboden für künftige Protestaktionen sein.

Die Forderungen an die Politik seien dabei klar: das Ende der Budgetierung, eine Krankenhausreform, die das Ambulantisierungspotenzial ausschöpft und den Notdienst reformiert – sowie eine deutliche Stärkung und Wertschätzung der ambulanten Strukturen und eine mindestens zweistellige Anpassung des Orientierungspunktwertes.

Das deutsche Gesundheitswesen stehe kurz vor dem Kollaps und die Politik müsse endlich handeln und überfällige Reformen zügig angehen. „Entschiedene Schritte sind gefordert und keine kleinteiligen Reförmchen. Darüber hinaus muss die Politik endlich den Stellenwert der Gesundheitsversorgung durch niedergelassene Ärztinnen erkennen, und zwar ressortübergreifend: Jeder fünfte Arbeitsplatz ist im Gesundheitswesen ist dort verortet. Damit ist das deutsche Gesundheitswesen der größte Arbeitgeber Deutschlands und die Politik muss verantwortungsvoll und zukunftsorientiert damit umgehen“, so das Fazit Heinrichs.

Zum Artikel: https://www.aend.de/article/224492

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